Noch bin ich nicht ganz zufrieden mit meiner Ausdrucksweise und den Satzverbindungen, aber wie auch bei der Rezension gilt hier, dass ich so etwas zum ersten Mal schreibe.
Der weiße Tisch
Es
begab sich einst, dass ein junger Mann, ein eher durchschnittlicher Mensch, der
seine Jugend genoss, in einen ausgesprochen außergewöhnlichen Glücksfall
verwickelt wurde. Wie es zu dieser Begebenheit kam, wird im Folgenden
erläutert:
Seltener
waren die Besuche bei seinen Großeltern geworden, K. hatte seine Mutter jedoch diesmal zu ihrer wöchentlichen Hospitation begleitet. So kam es, dass die Familie einträchtig das
Beisammensein genoss, der Onkel war unterdessen auch dazugekommen und dass
alles wie gewöhnlich ablief.
Gemeinsam
mit seinem Onkel genehmigte sich K. einen kleinen Umtrunk, er gönnte sich einen Cappuccino, den von seinem Onkel angebotenen Muckefuck hatte er
verschmäht, denn es hatte sich um ein handelsübliches Produkt gehandelt und K.
hatte sich etwas besonderes darunter erhofft. Wie sich die beiden nun
friedlich an ihrem Getränk labten, fiel das Gesprächsthema auf das Porzellan, dass
sich auf dem Esstisch der kleinen Küche unter dem Dache befand. K. war ein
Kenner jeglicher Porzellanfirmen, er befand sie als Repräsentanten hohen
deutschen Kulturguts. Wunsiedel, Hutschenreuther, Seltmann, Weiden, Meissener
und viele weitere, das war sein Gebiet und für diese Dinge hegte er ein wahres
Faible. Im Allgemeinen war K. jemand, der hohen Wert auf kulturelle Güte und
Qualität legte, er war stolz auf die zahlreichen deutschen Firmen, die im
Ausland ein hohes Ansehen genossen.
K.
fragte seinen Onkel in Bezug auf das auf dem Tisch befindliche Porzellan, worin
sich die beiden größten Porzellanfirmen, V&B und das Unternehmen mit der
Krone im Firmenemblem, eigentlich unterschieden, da er hohen Respekt vor der
Meinung des Onkels hatte.
Zunächst
beantwortete sich K. die Frage selbst, er mutmaßte, dass V&B eher für
Traditionalisten produzierte, wie er nebenbei bemerkt auch einer war, und die
andere Firma primär moderne Haushalte mit Servicen und Porzellan versorgte.
Der
Onkel konstatierte fernerhin, dass die Firma mit der Krone auch Tische
produzierte. K. entgegnete, dass V&B zudem Fliesen für Badezimmer und andere
Räumlichkeiten im Sortiment hatte, die Tische hatten sein Interesse geweckt und
er ließ sich von seinem Onkel weiteres darüber erläutern. Dieser merkte an:
weiße Tische. Weiße Tische würden sie herstellen. Mit einem gewissen Unterton
fragte er, ob K., der gebannt den Ausführungen über Porzellan gefolgt hatte,
einen solchen Tisch haben wolle. K. bejahte die Frage, natürlich würde er
verzückt darüber sein, einen solchen Tisch zu besitzen, nur könne er sich kein
so teures Mobiliar leisten...
Der
Onkel meinte, wenn es denn kostenlos wäre. Da war K.'s Interesse vollends
erweckt, der Onkel begann mit der exakten Deskription dieses Tisches der
erwähnten Porzellanfirma. Den Ausführungen nach war er gänzlich weiß und sehr groß, die Maße betrugen
akkurat 1,80 m mal 1,20 m. Er war beinahe komplett aus Holz, lediglich eine
Marmorplatte war in die Mitte der Tischoberfläche eingearbeitet. Die Tischbeine
waren sehr modern gestaltet, sie wurden von zwei geschwungenen Holzleisten
gebildet, die jeweils ein U formten. Eines dieser beiden U's trug den
Schriftzug der Porzellanfirma. Es musste ein fantastischer Tisch sein.
Nachdem
K. seine Bewunderung zu genüge kund getan hatte, erklärte der Onkel, dass er
den Tisch bei einem älteren Ehepaar gesehen hatte, dieses Paar wohnte in einer
fünfstöckigen Villa, doch wollte nun ausziehen. Die neue Bleibe sollte dabei
eine kleine Wohnung bilden, weshalb nun etliche Gegenstände ausgemustert wurden. Der Tisch gehörte auch dazu.
Ob
sie ihn sich ansehen sollten, fragte der Onkel darauf, K. willigte sofort ein
und schnell war ein Treffen per Telefon vereinbart worden.
Die
beiden spazierten gemütlich zu dem ganz in der nähe liegenden Anwesen. Herr
Soundso öffnete die Tür, es war ein älterer Herr mit spärlichem Haarschopf. Er trug ein grünes
Polohemd von einer renommierten Modefirma. Dazu passend war das Intérieur
dieser Residenz gestaltet. Geschmacksvolle Teppiche, eine edle Glastür, die zum
großen Wohnzimmer führte und der Tisch. Der Tisch stand im Arbeitszimmer, zu
dem sie Herr Soundso geleitet hatte.
Er
war schön, wunderschön. Merveilleux, dachte sich K. Doch der Tisch war
auch von einer ausgesprochenen Größe, diese war beträchtlich... Sollte er einen
solchen Tisch überhaupt in seinem Zimmer unterbringen können?
Eine
Ambivalenz entstand in diesem Moment bei K., auf der einen Seite hatte er sein
ganzes Leben davon geträumt, einen stilvollen, großen Schreibtisch zu besitzen.
Aber andererseits, was würde seine Familie zu einem solch riesigen, vielleicht
gar protzigen Möbelstück sagen?
Die
Zeit, zu welcher K. Bekanntschaft von diesem Tische gemacht hatte, war durchaus
eine Zeit der Krisis. Die Wirtschaft im Lande, in ganz Europa war marode. In
solchen Zeiten tritt ein besonderes Phänomen auf. Die Menschen von der Krise
geängstigt, trinken ihren Grog nicht mehr im Gasthaus, sondern zuhause. So
kommt es, dass allgemein mehr Wert auf Konsumgüter gelegt wird, die beständig
sind, dazu können Kutschen, Betten, Arbeiten im Garten gehören und auch Tische.
Der Mensch zieht sich zurück, er bildet einen Kokon.
Herr
Soundso fragte, ob K. den Tisch haben wolle, dieser sagte nach einer Weile
intensiven Nachdenkens und in einem Zustand innerer Zerrissenheit zu.
Der
Tisch sollte nicht das einzige Geschenk bleiben, K. bekam von diesem
freundlichen, offenkundig sehr vermögenden Herrn noch eine edle braune
Ledertragetasche geschenkt. K. war selig, eine Freude machte sich in ihm breit,
als sie das Haus wieder verließen, eine große Freude, aber auch eine innere
Beunruhigung. K. war nämlich von bescheidener, ruhiger und introvertierter
Natur. Hatte er sich diese Dinge überhaupt verdient? Er wusste diese Frage
nicht zu beantworten. Was hatte er denn überhaupt dafür getan, dass ihm solch
edle, teure Geschenke zuteil wurden? Er war einfach nett und freundlich, wenn
auch nicht allzu aufgeschlossen. Doch war das genug? Nett sein, reicht das
Leben? Ein Heiratsschwindler ist auch nett, sonst könnte er sein böses Vorhaben
nicht umsetzen.
K.
plagten Gewissensbisse. Als seine Mutter und er wieder heimgekehrt waren,
konnte K. abends nicht einschlafen. Er war unruhig und aufgedreht. Sollte er
diesen Tisch überhaupt bekommen? Noch hatte Herr Soundso ihnen keine endgültige
Zusage erteilt. In seinen Gedanke malte sich K. aus, wie er an diesem Tische
sitzen würde, nichts außer seiner Schreibmaschine und einem Notizblock würde er
darauf legen.
K.
schrieb nämlich, er war kein Lyriker, nein, beileibe nicht, aber er sah sich
als Literat, ohne die Bedeutung dieses Wortes zu kennen, wie sie laut Duden per
definitio vorgegeben sein mochte.
Er las
große literarische Werke und schrieb von diesen inspiriert über alles was ihn
beschäftigte, so belanglos es auch allgemein wirken mochte. Nach einer Ewigkeit
hatte der Schlaf ihn erreicht, er sank in unruhige, düstere Träume...
Am
nächsten Tag erhielt er Rückmeldung von seinem Onkel, dass er den Tisch haben
könne. K. war selig, er freute sich nun darauf, den Tisch in seinem Zimmer zu
haben. Es war nur ein Tisch, aber auch kleine, vermeintlich unwichtige Dinge
können bedeutsam sein.
K.
hatte einmal beobachtet, wie eine Dame, mittleren Alters, auf dem Fahrrad fuhr
und dabei einen wundervollen großen Blumenstrauß verlor. K. hob diesen zügig
auf und rief, doch sie hörte ihn nicht, es war an diesem Tage sehr viel los. Sie
entfernte sich recht schnell, sie fuhr schließlich auf dem Fahrrad.
Also
rannte K. ihr hinterher, er war ein Sportler, er rannte bis er sie eingeholt
hatte und sie ihn endlich bemerkte. Sie war überrascht und zuhöchst erfreut.
Zum Dank schenkte sie ihm eine Rose, die der Blumenstand ihr zusätzlich zum
Strauß überreicht hatte. Gute Menschen verdienen sich gute Dinge. Es sind die
kleinen Taten des Alltages die uns zu Helden machen.
Dies
war die Geschichte von einem erstaunlichen Glücksfall, der nur durch eine
Koinzidenz zustande gekommen war. Ob das ganze sich wirklich ereignet hat,
steht in der Luft wie so viele Dinge und ist dem Erzähler nicht bekannt.
Ende