"Der Schimmelreiter", 1888 veröffentlicht, ist sicherlich das bekannteste Werk des großen, deutschen Lyriker und Novellisten Theodor Storm (*1817 †1888), er vollendete die Novelle wenige Monate vor seinem Tod, und hat sich lange Zeit seines Lebens mit norddeutschen Mythen und Legenden befasst. Das Werk setzt sich mit der Sage um den Werdegang des Hauke Haien auseinander. Dieser ist mit einer ausgesprochenen Intelligenz gesegnet und erweist sich in seiner Jugend als hervorragender Autodidakt, der sich mathematisches Wissen durch das eigenständige Lesen von Euklid aneignet. Später tritt er eine Stelle beim Deichgrafen an, dieser erfüllt administrative Aufgaben, meist bauliche Angelegenheiten und den Deich betreffend. Durch seine Intelligenz ist Hauke ihm eine große Hilfe, nachdem sein Vater und sein Arbeitgeber verstorben sind kann er durch Heirat der Tochter des Deichgrafen zu dessen Nachfolger arrivieren. Bei der Ausübung dieses Amtes stößt er auf etliche Unannehmlichkeiten und es kommt zu einem dramatischen Ende. Soviel erstmal zum Inhalt. Das Werk umfasst drei Handlungsebenen, zunächst berichtet ein Erzähler wie er zu dieser Sage gekommen ist. Er las sie in einer Zeitschrift bei seiner Urgroßmutter und hat sie lange Zeit im Gedächtnis behalten, erst nach einem halben Jahrhundert beginnt er mit der Erzählung.
Darauf folgt die eigentliche Handlung, ein Reisender erzählt, wie er mit seinem Pferde nachts bei Wind und Regen, er ist auf dem Heimweg, einem geisterhaften Reiter samt Pferd begegnet, sie ziehen lautlos an ihm vorbei. Es handelt sich um den Schimmelreiter.
Später residiert der Reisende ein einem Wirtshaus und erzählt den dort Anwesenden von seinem Erlebnis. Den Anwesenden ist die Sage um den Schimmelreiter bekannt und der Schulmeister beginnt auf der dritten Handlungsebene über den Werdegang des Hauke Haiens zu referieren. Während dieser Erzählung wird die Handlung an manchen Stellen zurück ins Wirtshaus versetzt, um Spannung aufzubauen.
Nun zum eigentlichen Teil, der Rezension dieses Werkes. Mein Gesamteindruck war sehr positiv, an dieser Stelle könnte ich natürlich eine Note à la Frank Tausch geben, jedoch sehe ich davon mal ab. Auch die mehren Handlungsebenen halte ich für eine gute Idee und deren Umsetzung sehr gut geglückt ist. Die Handlung ist nicht besonders komplex, ein junger Mann arbeitet sich hoch, stößt auf zahlreiche Probleme. Dieses Grundthema findet sich auch in zahlreichen anderen literarischen Werken, auf die an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen wird.
Vom Umfang her ist "Der Schimmelreiter" völlig im Bereich des Akzeptablen, was sicher darauf zurückzuführen ist, dass es von Storm als Novelle konzipiert wurde und diese sich doch durch eine gewisse Kürze auszeichnen. Mittlerweile wurde jedoch die Gattung der Novelle mehr oder minder von der Kurzgeschichte abgelöst.
Der Schimmelreiter ist leicht verständlich, es gibt einen logischen Aufbau, der in drei Handlungsebenen unterteilt ist. Trotz der Epoche Storms ist der Schreibstil nicht zu altmodisch und das Ganze ist leicht zu lesen. Einige Fragen bleiben allerdings ungeklärt, vor allem die Funktion und Bedeutung der Gerippe und der damit verbundenen Geistererscheinung auf dem Felde waren mir nicht ganz klar.
Die Protagonisten des Werkes sind überzeugend gewählt und ihre Handlungen nachvollziehbar. Man kann durchaus mit ihnen mitfühlen, da Hauke über eine große Menschlichkeit verfügt, er rettet einen Hund davor, in den Deich eingegraben zu werden, da die Arbeiter aus Aberglaube meinen, dass nur etwas Lebendiges dem Deich seine wirkliche Sicherheit verliehe.
Ich kann es mir doch nicht verkneifen und gebe dem werken ein B-, lass mich Deine Meinung wissen und wie immer: Viel Spaß beim Lesen! Oder: And as always, Have' nice day.
Ich habe noch nie eine Rezension verfasst, daher ist es durchaus möglich, dass mein hier verfasster Text jeglichen Anspruch vermissen lässt. Doch ich werde bemüht sein, mich in der Zukunft von Mal zu Mal zu verbessern. Auch liegt die Lektüre des "Schimmelreiters" schon geraume Zeit zurück, nämlich etwa einen Monat, daher habe ich auch vieles nicht mehr genau vor Augen.
KJR
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