Donnerstag, 20. Dezember 2012

Bücherliste in der Adventszeit.

Liste der Romane und Erzählungen, die ich mir jetzt im Laufe der Adventszeit zu Gemüte geführt habe.


  • Dr. Murkes gesammeltes Schweigen (Heinrich Böll)
    • Wundervolle Erzählung über einen Mann, der beim Radio arbeitet und Schweigen sammelt...
  • Der Hund (Friedrich Dürrenmatt)
  • Unterm Rad (Hermann Hesse)
    • Solider Roman, der sehr tiefgründig geschrieben ist und die Jugend eines Jungen im Zisterzienserkloster von Maulbronn schildert und dessen Schicksal zeigt...
  • Die Panne (Friedrich Dürrenmatt)
    • Eine Erzählung, in der alles stimmig ist. Doch nicht nur das, auch ist die Erzählung geradezu zum "Totlachen"... Ein Geschäftsmann hat mit seinem Auto eine Panne und muss in einem Dorfe nächtigen, so gelangt er in das Hause eines Juristen, der gegen Abend Besuch dreier Freunde seines Faches erhält. Gemeinsam mit diesen veranstalten sie ein Spiel, in dem sie eine Gerichtsverhandlung abhalten und sich rasch dunkle Seiten des Reisenden zeigen.
  • Der Tunnel (Friedrich Dürrenmatt)
    • Merkwürdige Erzählung, aber auch stimmig und enorm kafkaeske Atmosphäre, die in diesem Werk von Dürrenmatt vorherrscht. 
  • Nicht nur zur Weihnachtszeit (Heinrich Böll)
    • Etwas schwache Erzählung, passt allerdings zur Adventszeit. 
  • Weitere Erzählungen von Böll (Es wird etwas geschehen, Hauptstädtisches Journal...usw.)

Das nächste Buch, das ich mir wohl vorknöpfen werde, ist "Montauk" von Max Frisch, doch fand ich bisher noch nicht den Einstieg in dieses scheinbar sehr modern aufgemachtes Werk. Vielleicht werde ich jetzt in den Weihnachtsferien die nötige Ruhe und Zeit finden, mich eingängig mit diesem Roman/ dieser Erzählung zu befassen.

Dienstag, 27. November 2012

Notiz

Liste der zuletzt gelesenen Bücher:


  • Haus ohne Hüter (Heinrich Böll)
  • Ansichten eines Clowns (Heinrich Böll)
  • Ein fliehendes Pferd (Martin Walser)
  • Die Bibel (auszugsweise)

Neulich stieß ich bei der Suche nach weiterer anspruchsvoller Suche auf den Kanon von Marcel Reich-Ranicki. Diese Literaturliste eignet sich hervorragend dafür, sich eine eigene Liste an Lektüren anzulegen, die man unbedingt gelesen haben sollte. 
Es ist jammerschade, dass es immer weniger Menschen wie Reich-Ranicki gibt, die wirklich Literatur leben. Unsere Gesellschaft verkommt immer mehr zu einer Internet- und Fernsehengesellschaft, die keinen Wert mehr auf intellektuelle Güte legt, sondern lediglich dazu dient, den Menschen zu berieseln. Selbstverständlich besteht der Anspruch, dass Menschen nach einem anstrengenden Arbeitstag unterhalten werden sollen. Doch ist es fraglich, ob das mit den Sendungen im Fernsehen adäquat geschieht. Ich sehe das nicht so, im Gegenteil, ich halte das Niveau des heutigen Fernsehprogramms für grottenschlecht und es ist nur noch quotenorientiert. Mit Entsetzen musste ich in einem kleinen Artikel im Spiegel lesen, dass sogar ARTE sich immer mehr zu einem quoten- statt qualitätsorientierten Sender entwickelt. Auch Reich-Ranickis Urteil fällt vernichtend aus, zurecht wie ich finde. Das heutige Fernsehen informiert kaum noch, im Gegenteil, es trägt auch zu einer Volksverdummung bei. Ein enormer Anteil des Publikums von Pseudodokumentationen auf RTL et cetera glaubt, dass Sendungen wie "Supernanny" oder "Alexander Hold" echt seien und nicht fiktiv. Das ist eine Schande für unser Land. Die Menschen müssen wieder beginnen, qualitative Informationen zu fordern. Der Grundsatz der Renaissance ist in unserer Zeit umso aktueller und notwendig: Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen. 
Es ist unglaublich, was man an Dingen lernt und erfährt, wenn man anspruchsvolle Romane liest. Durch die Lektüre der Bibel habe in kürzester Zeit eine enorme Menge an Wissen erworben, zahlreiche Geschichten sind biblisch und man wusste das vorher gar nicht. Etliche Sprichwörter stammen aus der Bibel. Auch ich, als  nicht gläubiger Mensch, kann sehr viel Positives aus der Bibel schöpfen. 
Auch erhält man eine Integrität und eine solide Basis, um Kritik an der Kirche zu üben, da man die Grundlagen kennengelernt hat. 


In Zukunft gedenke ich auch einige Essays hier zu veröffentlichen, diese werden sicherlich besser strukturiert sein als der obige Text, da ich diesen aus dem Stegreif geschrieben habe. Für mein Studium muss ich auch einige Bildbeschreibungen verfassen, die ich hier veröffentlichen werde. 

Sonntag, 11. November 2012

Ansichten eines Clowns


Am Roman "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll, einer der vier Deutschen, die den Literaturnobelpreis für unser Land gewinnen konnten, werden vor allem diejenigen Freude finden, die der katholischen Kirche und der ihr am nächsten stehenden Partei -nämlich der CDU- kritisch zugetan sind. Doch auch für alle anderen Leser sollte dieser ergreifende Roman, der von einer tiefen Melancholie aber auch einer hohen Intelligenz und Menschenkenntnis des Protagonisten Hans Schnier durchzogen und geprägt wird, sich als lesenswert und ergiebig erweisen. Er schafft es nämlich, die tief gespaltene Gesellschaft und die schwerwiegende Diskrepanz zwischen Kirche und Individuum, die nach dem zweiten Weltkrieg in unserer Republik vorhanden waren, einfühlsam und authentisch wiederzuspiegeln. Der Inhalt beschränkt sich dabei lediglich auf einige Stunden aus dem Leben der Hauptperson, des Clowns Hans Schnier, der sich selbst fachlich korrekt als "Komiker. Keiner Kirche steuerpflichtig" bezeichnet. In dieser Beschreibung weist Böll, der durch den Protagonisten in der Ich-Perspektive erzählt, auf das zentrale Thema dieses Werkes hin. Der Konflikt zwischen der gegenseitigen Liebe eines Atheisten und einer Katholikin und dem strengen Familienbild ihrer zugehörigen Kirche. Fernerhin vergleicht Schnier, der Clown, die damalige Zeit mit dem Mittelalter und gewinnt die traurige Erkenntnis, dass die Liebe im dunklen Mittelalter einfacher und tolerierbarer für die katholische Kirche gewesen wäre als in der Gegenwart. Von seinem Verhältnis, welches sich in Folge dieses Konfliktes auflöst, spricht Schnier häufig als Konkubinat, dieser Ausdruck wird im Duden als eheähnliche Gemeinschaft beschrieben und diese Lebensform wurde scheinbar im Mittelalter akzeptiert. Sie findet jedoch in der Nachkriegszeit keine wirkliche Duldung durch die rigide, laut Schnier bigotte Kirche. Der Ich-Erzähler ist im Romane neben zahlreichen Anekdoten aus seinem Leben und Erfahrungen mit der Gesellschaft und der Kirche damit beschäftigt, all seine Bekannten zu kontaktieren. Dies tut er primär über den telephonischen Weg. Die Resonanz fällt dabei sehr unterschiedlich aus und jeder Anruf ist eine in sich geschlossene kleine Geschichte aus seinem Leben. So telefoniert er an einer Stelle mit einer Bekannten, die in einer Telefonzelle von einem fremden Mann bedrängt wird und daraufhin von dannen zieht, ohne dabei das Telefon einzuhängen. Schnier erkennt dies und schreit ins Telefon, sodass sich der Fremde meldet, es folgt ein bedeutender, sehr amüsant zu lesender Dialog. Schnier fragt zunächst "Sind sie Deutscher?" und gibt an, nur mit Deutschen zu reden. In der heutigen Zeit würde man solch einen Menschen fraglos als Rassisten bezeichnen können, doch der Mann antwortet mit "Das ist ein guter Grundsatz" und spiegelt so die damals immer noch stark nationalsozialistisch geprägte Gesellschaft wieder. Schnier setzt allerdings noch einen drauf und gibt an, sich Sorgen über die CDU zu machen, er fragt also "Wählen sie auch fleißig CDU?". Der fremde Mann bejaht dies und klingt dabei geradezu beleidigt.
Die Sprache in "Ansichten eines Clowns" ist sehr gut verständlich. Die Personen und Charaktere werden gut beschrieben und sind alle nachvollziehbar, was ihr Verhalten und ihre Werte betrifft.
Der Roman hat auch heute noch durchaus eine Prägnanz, vor allem im Hinblick auf all die ethischen Fragen, die sehr kontrovers und auf mancher, beispielsweise kirchlicher Seite sehr voreingenommen diskutiert werden. Auch heute hat die katholische Kirche großen Einfluss auf die Menschen und ihre Lebensformen, zwar wurde die in Bölls Roman kritisierte Vorhölle für ungetaufte Babys, die unmittelbar nach der Geburt sterben, von der Kirche abgeschafft, doch gibt es immer noch etliche Missstände, die es anzusprechen gilt.
Ich persönlich konnte dem Roman viel Positives abgewinnen, mit einem Großteil der Kritik konnte ich übereinstimmen und geriet bei manchen Stellen geradezu in Verzück und konnte mir einen Lacher nicht verkneifen. Auch hat mich das Werk in meiner Haltung gegenüber der Kirche und Religion im Allgemeinen bekräftigt. Mein Fazit fällt daher durchweg positiv aus. Es handelt sich bei Bölls Roman um ein sehr gelungenes Werk mit klarer Botschaft und ergiebigem Inhalt, das sich zu lesen lohnt. Ich kann es jedem ans Herzen legen, die Lektüre dieses Romans aufzunehmen.

Nachtrag:

Es haben tatsächlich mehr als vier deutsche Literaten den Nobelpreis für Literatur gewinnen können, doch erachte ich Böll gemeinsam mit Mann, Grass und Müller als die doch vier nennenswertesten.

Freitag, 21. September 2012

Eine kleine Kurzgeschichte


Noch bin ich nicht ganz zufrieden mit meiner Ausdrucksweise und den Satzverbindungen, aber wie auch bei der Rezension gilt hier, dass ich so etwas zum ersten Mal schreibe. 


Der weiße Tisch


Es begab sich einst, dass ein junger Mann, ein eher durchschnittlicher Mensch, der seine Jugend genoss, in einen ausgesprochen außergewöhnlichen Glücksfall verwickelt wurde. Wie es zu dieser Begebenheit kam, wird im Folgenden erläutert:

Seltener waren die Besuche bei seinen Großeltern geworden, K. hatte seine Mutter jedoch diesmal zu ihrer wöchentlichen Hospitation begleitet. So kam es, dass die Familie einträchtig das Beisammensein genoss, der Onkel war unterdessen auch dazugekommen und dass alles wie gewöhnlich ablief.
Gemeinsam mit seinem Onkel genehmigte sich K. einen kleinen Umtrunk, er gönnte sich einen Cappuccino, den von seinem Onkel angebotenen Muckefuck hatte er verschmäht, denn es hatte sich um ein handelsübliches Produkt gehandelt und K. hatte sich etwas besonderes darunter erhofft. Wie sich die beiden nun friedlich an ihrem Getränk labten, fiel das Gesprächsthema auf das Porzellan, dass sich auf dem Esstisch der kleinen Küche unter dem Dache befand. K. war ein Kenner jeglicher Porzellanfirmen, er befand sie als Repräsentanten hohen deutschen Kulturguts. Wunsiedel, Hutschenreuther, Seltmann, Weiden, Meissener und viele weitere, das war sein Gebiet und für diese Dinge hegte er ein wahres Faible. Im Allgemeinen war K. jemand, der hohen Wert auf kulturelle Güte und Qualität legte, er war stolz auf die zahlreichen deutschen Firmen, die im Ausland ein hohes Ansehen genossen.
K. fragte seinen Onkel in Bezug auf das auf dem Tisch befindliche Porzellan, worin sich die beiden größten Porzellanfirmen, V&B und das Unternehmen mit der Krone im Firmenemblem, eigentlich unterschieden, da er hohen Respekt vor der Meinung des Onkels hatte.
Zunächst beantwortete sich K. die Frage selbst, er mutmaßte, dass V&B eher für Traditionalisten produzierte, wie er nebenbei bemerkt auch einer war, und die andere Firma primär moderne Haushalte mit Servicen und Porzellan versorgte.
Der Onkel konstatierte fernerhin, dass die Firma mit der Krone auch Tische produzierte. K. entgegnete, dass V&B zudem Fliesen für Badezimmer und andere Räumlichkeiten im Sortiment hatte, die Tische hatten sein Interesse geweckt und er ließ sich von seinem Onkel weiteres darüber erläutern. Dieser merkte an: weiße Tische. Weiße Tische würden sie herstellen. Mit einem gewissen Unterton fragte er, ob K., der gebannt den Ausführungen über Porzellan gefolgt hatte, einen solchen Tisch haben wolle. K. bejahte die Frage, natürlich würde er verzückt darüber sein, einen solchen Tisch zu besitzen, nur könne er sich kein so teures Mobiliar leisten...
Der Onkel meinte, wenn es denn kostenlos wäre. Da war K.'s Interesse vollends erweckt, der Onkel begann mit der exakten Deskription dieses Tisches der erwähnten Porzellanfirma. Den Ausführungen nach war er gänzlich weiß und sehr groß, die Maße betrugen akkurat 1,80 m mal 1,20 m. Er war beinahe komplett aus Holz, lediglich eine Marmorplatte war in die Mitte der Tischoberfläche eingearbeitet. Die Tischbeine waren sehr modern gestaltet, sie wurden von zwei geschwungenen Holzleisten gebildet, die jeweils ein U formten. Eines dieser beiden U's trug den Schriftzug der Porzellanfirma. Es musste ein fantastischer Tisch sein.
Nachdem K. seine Bewunderung zu genüge kund getan hatte, erklärte der Onkel, dass er den Tisch bei einem älteren Ehepaar gesehen hatte, dieses Paar wohnte in einer fünfstöckigen Villa, doch wollte nun ausziehen. Die neue Bleibe sollte dabei eine kleine Wohnung bilden, weshalb nun etliche Gegenstände ausgemustert wurden. Der Tisch gehörte auch dazu.
Ob sie ihn sich ansehen sollten, fragte der Onkel darauf, K. willigte sofort ein und schnell war ein Treffen per Telefon vereinbart worden.
Die beiden spazierten gemütlich zu dem ganz in der nähe liegenden Anwesen. Herr Soundso öffnete die Tür, es war ein älterer Herr mit  spärlichem Haarschopf. Er trug ein grünes Polohemd von einer renommierten Modefirma. Dazu passend war das Intérieur dieser Residenz gestaltet. Geschmacksvolle Teppiche, eine edle Glastür, die zum großen Wohnzimmer führte und der Tisch. Der Tisch stand im Arbeitszimmer, zu dem sie Herr Soundso geleitet hatte.
Er war schön, wunderschön. Merveilleux, dachte sich K. Doch der Tisch war auch von einer ausgesprochenen Größe, diese war beträchtlich... Sollte er einen solchen Tisch überhaupt in seinem Zimmer unterbringen können?
Eine Ambivalenz entstand in diesem Moment bei K., auf der einen Seite hatte er sein ganzes Leben davon geträumt, einen stilvollen, großen Schreibtisch zu besitzen. Aber andererseits, was würde seine Familie zu einem solch riesigen, vielleicht gar protzigen Möbelstück sagen?
Die Zeit, zu welcher K. Bekanntschaft von diesem Tische gemacht hatte, war durchaus eine Zeit der Krisis. Die Wirtschaft im Lande, in ganz Europa war marode. In solchen Zeiten tritt ein besonderes Phänomen auf. Die Menschen von der Krise geängstigt, trinken ihren Grog nicht mehr im Gasthaus, sondern zuhause. So kommt es, dass allgemein mehr Wert auf Konsumgüter gelegt wird, die beständig sind, dazu können Kutschen, Betten, Arbeiten im Garten gehören und auch Tische. Der Mensch zieht sich zurück, er bildet einen Kokon.
Herr Soundso fragte, ob K. den Tisch haben wolle, dieser sagte nach einer Weile intensiven Nachdenkens und in einem Zustand innerer Zerrissenheit zu.
Der Tisch sollte nicht das einzige Geschenk bleiben, K. bekam von diesem freundlichen, offenkundig sehr vermögenden Herrn noch eine edle braune Ledertragetasche geschenkt. K. war selig, eine Freude machte sich in ihm breit, als sie das Haus wieder verließen, eine große Freude, aber auch eine innere Beunruhigung. K. war nämlich von bescheidener, ruhiger und introvertierter Natur. Hatte er sich diese Dinge überhaupt verdient? Er wusste diese Frage nicht zu beantworten. Was hatte er denn überhaupt dafür getan, dass ihm solch edle, teure Geschenke zuteil wurden? Er war einfach nett und freundlich, wenn auch nicht allzu aufgeschlossen. Doch war das genug? Nett sein, reicht das Leben? Ein Heiratsschwindler ist auch nett, sonst könnte er sein böses Vorhaben nicht umsetzen.
K. plagten Gewissensbisse. Als seine Mutter und er wieder heimgekehrt waren, konnte K. abends nicht einschlafen. Er war unruhig und aufgedreht. Sollte er diesen Tisch überhaupt bekommen? Noch hatte Herr Soundso ihnen keine endgültige Zusage erteilt. In seinen Gedanke malte sich K. aus, wie er an diesem Tische sitzen würde, nichts außer seiner Schreibmaschine und einem Notizblock würde er darauf legen.
K. schrieb nämlich, er war kein Lyriker, nein, beileibe nicht, aber er sah sich als Literat, ohne die Bedeutung dieses Wortes zu kennen, wie sie laut Duden per definitio vorgegeben sein mochte.
Er las große literarische Werke und schrieb von diesen inspiriert über alles was ihn beschäftigte, so belanglos es auch allgemein wirken mochte. Nach einer Ewigkeit hatte der Schlaf ihn erreicht, er sank in unruhige, düstere Träume...

Am nächsten Tag erhielt er Rückmeldung von seinem Onkel, dass er den Tisch haben könne. K. war selig, er freute sich nun darauf, den Tisch in seinem Zimmer zu haben. Es war nur ein Tisch, aber auch kleine, vermeintlich unwichtige Dinge können bedeutsam sein.

K. hatte einmal beobachtet, wie eine Dame, mittleren Alters, auf dem Fahrrad fuhr und dabei einen wundervollen großen Blumenstrauß verlor. K. hob diesen zügig auf und rief, doch sie hörte ihn nicht, es war an diesem Tage sehr viel los. Sie entfernte sich recht schnell, sie fuhr schließlich auf dem Fahrrad.
Also rannte K. ihr hinterher, er war ein Sportler, er rannte bis er sie eingeholt hatte und sie ihn endlich bemerkte. Sie war überrascht und zuhöchst erfreut. Zum Dank schenkte sie ihm eine Rose, die der Blumenstand ihr zusätzlich zum Strauß überreicht hatte. Gute Menschen verdienen sich gute Dinge. Es sind die kleinen Taten des Alltages die uns zu Helden machen.
Dies war die Geschichte von einem erstaunlichen Glücksfall, der nur durch eine Koinzidenz zustande gekommen war. Ob das ganze sich wirklich ereignet hat, steht in der Luft wie so viele Dinge und ist dem Erzähler nicht bekannt.

Ende

Dienstag, 18. September 2012

Notiz


Liste der Bücher, die ich zuletzt gelesen habe:


Buddenbrooks (Thomas Mann)
Sehr lesenswert, ein Weltroman, sehr umfangreich.

Das Tagebuch der Anne Frank (Anne Frank)
Sehr schön geschrieben, aber auch unheimlich traurig...

Spur eines Kindes (Ernst Schnabel)
Sekundärliteratur zum Tagebuch der Anne Frank, sehr informativ

Der Schimmelreiter (Theodor Storm)
Rezension liegt vor

Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang von Goethe)
Ganz in Ordnung, aber nicht so mein Fall

Ein amerikanischer Traum (Barack Obama)
Autobiographie.
Obama schrieb das Buch schon vor langer Zeit, daher ist es sehr ehrlich und offen, auch die Geschichten über seine Jugendsünden (Marihuana, Kokain) kommen nicht zu kurz... 

Das Schloß (Franz Kafka)
Sehr lesenswert, großartiger Fragmentroman, leider noch unvollständiger als der Proceß, Handlung endet mitten im Geschehen. Wie der Proceß sehr verworren und undurchsichtig, aber das macht Kafka auch aus. 

Angstblüte (Martin Walser)
Roman über einen Anlagenberater, der wie der Protagonist des Filmes "Cosmopolis" ein "Falling Down" erlebt und am Ende viel verliert.


Außerdem: Diverse Kurzgeschichten, Erzählungen und Aphorismen von Thomas Mann und Franz Kafka. (Zum Beispiel: Tonio Kröger, Tobias Mindernickel, Heimkehr, Der Geier, Schlag ans Hoftor et cetera)

Samstag, 15. September 2012

Der Schimmelreiter


"Der Schimmelreiter", 1888 veröffentlicht, ist sicherlich das bekannteste Werk des großen, deutschen Lyriker und Novellisten Theodor Storm (*1817  1888), er vollendete die Novelle wenige Monate vor seinem Tod, und hat sich lange Zeit seines Lebens mit norddeutschen Mythen und Legenden befasst. Das Werk setzt sich mit der Sage um den Werdegang des Hauke Haien auseinander. Dieser ist mit einer ausgesprochenen Intelligenz gesegnet und erweist sich in seiner Jugend als hervorragender Autodidakt, der sich mathematisches Wissen durch das eigenständige Lesen von Euklid aneignet. Später tritt er eine Stelle beim Deichgrafen an, dieser erfüllt administrative Aufgaben, meist bauliche Angelegenheiten und den Deich betreffend. Durch seine Intelligenz ist Hauke ihm eine große Hilfe, nachdem sein Vater und sein Arbeitgeber verstorben sind kann er durch Heirat der Tochter des Deichgrafen zu dessen Nachfolger arrivieren. Bei der Ausübung dieses Amtes stößt er auf etliche Unannehmlichkeiten und es kommt zu einem dramatischen Ende. Soviel erstmal zum Inhalt. Das Werk umfasst drei Handlungsebenen, zunächst berichtet ein Erzähler wie er zu dieser Sage gekommen ist. Er las sie in einer Zeitschrift bei seiner Urgroßmutter und hat sie lange Zeit im Gedächtnis behalten, erst nach einem halben Jahrhundert beginnt er mit der Erzählung.
Darauf folgt die eigentliche Handlung, ein Reisender erzählt, wie er mit seinem Pferde nachts bei Wind und Regen, er ist auf dem Heimweg, einem geisterhaften Reiter samt Pferd begegnet, sie ziehen lautlos an ihm vorbei. Es handelt sich um den Schimmelreiter.
Später residiert der Reisende ein einem Wirtshaus und erzählt den dort Anwesenden von seinem Erlebnis. Den Anwesenden ist die Sage um den Schimmelreiter bekannt und der Schulmeister beginnt auf der dritten Handlungsebene über den Werdegang des Hauke Haiens zu referieren. Während dieser Erzählung wird die Handlung an manchen Stellen zurück ins Wirtshaus versetzt, um Spannung aufzubauen.
Nun zum eigentlichen Teil, der Rezension dieses Werkes. Mein Gesamteindruck war sehr positiv, an dieser Stelle könnte ich natürlich eine Note à la Frank Tausch geben, jedoch sehe ich davon mal ab. Auch die mehren Handlungsebenen halte ich für eine gute Idee und deren Umsetzung sehr gut geglückt ist. Die Handlung ist nicht besonders komplex, ein junger Mann arbeitet sich hoch, stößt auf zahlreiche Probleme. Dieses Grundthema findet sich auch in zahlreichen anderen literarischen Werken, auf die an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen wird.
Vom Umfang her ist "Der Schimmelreiter" völlig im Bereich des Akzeptablen, was sicher darauf zurückzuführen ist, dass es von Storm als Novelle konzipiert wurde und diese sich doch durch eine gewisse Kürze auszeichnen. Mittlerweile wurde jedoch die Gattung der Novelle mehr oder minder von der Kurzgeschichte abgelöst.
Der Schimmelreiter ist leicht verständlich, es gibt einen logischen Aufbau, der in drei Handlungsebenen unterteilt ist. Trotz der Epoche Storms ist der Schreibstil nicht zu altmodisch und das Ganze ist leicht zu lesen. Einige Fragen bleiben allerdings ungeklärt, vor allem die Funktion und Bedeutung der Gerippe und der damit verbundenen Geistererscheinung auf dem Felde waren mir nicht ganz klar.
Die Protagonisten des Werkes sind überzeugend gewählt und ihre Handlungen nachvollziehbar. Man kann durchaus mit ihnen mitfühlen, da Hauke über eine große Menschlichkeit verfügt, er rettet einen Hund davor, in den Deich eingegraben zu werden, da die Arbeiter aus Aberglaube meinen, dass nur etwas Lebendiges dem Deich seine wirkliche Sicherheit verliehe.
 "Der Schimmelreiter" ist ein gutes, solides Werk, sicher nicht überragend und mit anderen Romanen und Novellen (Buddenbrooks, Das Schloß etc.) nicht konkurrenzfähig, doch die Lektüre dieser Erzählung lohnt sich auf jeden Fall. Ich persönlich kann der Novelle nicht allzu viel für mein eigenes Leben entnehmen, jedoch wird meine Ansicht gestützt, dass man in seinem Leben, dass tun soll, was man wirklich kann und dies manchmal entgegen der Meinung der Anderen.
Ich kann es mir doch nicht verkneifen und gebe dem werken ein B-, lass mich Deine Meinung wissen und wie immer: Viel Spaß beim Lesen! Oder: And as always, Have' nice day.



Ich habe noch nie eine Rezension verfasst, daher ist es durchaus möglich, dass mein hier verfasster Text jeglichen Anspruch vermissen lässt. Doch ich werde bemüht sein, mich in der Zukunft von Mal zu Mal zu verbessern. Auch liegt die Lektüre des "Schimmelreiters" schon geraume Zeit zurück, nämlich etwa einen Monat, daher habe ich auch vieles nicht mehr genau vor Augen. 

KJR


  

Dienstag, 11. September 2012

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Das mag sich nicht nur Johann Wolfgang von Goethe, einer unserer größten Künstler, beim Verfassen seines Gedichtes "Der Erlkönig" gefragt haben, auch in der Novelle "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm, beschreibt der Erzähler wie nachts bei Wind und Regen der Protagonist einem geisterhaften Reiter auf einem weißen Schimmel begegnet. 
"Der Schimmelreiter" gehört mitunter zu den Lektüren, die mir in meiner Schulzeit, mittlerweile auch schon über eineinhalb Jahre zurückliegend, die größten Qualen bereitet haben. Ich erinnere mich an all jene mühselige Stunden des Lesens, mir schwebt noch das genaue Bild vor Augen, wie ich an der Heizung unseres Wohnzimmers saß und meine Augen über die Worte und Buchstaben flogen, sie sich jedoch völlig meinem Verständnis und Sinn entzogen. Durch die Pubertät bedingt, ich war meinen Mitschülern im Alter etwas voraus, las ich damals ohne Verstand.
Dies änderte sich in meiner Schullaufbahn leider erst sehr spät, wobei ich es nicht mehr vermag, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, doch habe ich noch eine ziemlich gute Erinnerung an das Drama "Die Physiker", "Den Proceß" von Kafka et cetera. 
Nun wieder zurück zu unserer Novelle "Der Schimmelreiter", neulich las ich dieses Werk erneut, um das Textverständnis, das mir als Pennäler verwehrt geblieben war, dieses Mal zu erlangen und vor allem mir selbst zu beweisen, dass ich ein anspruchsvolles literarisches Werk durchaus mit Sinn und Verstand lesen kann. Diesen Erweis hatte eigentlich schon die Lektüre des Weltromanes "Buddenbrooks" erbracht, die mich etliche Stunden und Tage in Anspruch genommen hatte, jedoch zu meinem Vergnügen, da es ein fantastisches  Werk ist (der Leser mag die Emphase entschuldigen). 

Mit diesem ersten Blog bezwecke ich lediglich, meine Absichten offen zu legen, diese beinhalten nämlich die Lektüre von lesenswerten Romanen und anderen Erzählungen, das Rezensieren dieser und persönliche Beiträge, gegebenenfalls sogar in Form von eigenen Erzählungen.
Es muss hier auch angemerkt werden, dass ich bis vor wenigen Stunden nicht wusste, um was es sich eigentlich bei einem "Blog" handelt. Durch meine Unwissenheit (Ignorance is bliss) habe ich allerdings auch die Narrenfreiheit, diesen Blog nach eigenem Gutdünken zu gestalten.

KJR



Randnotziz
Eine Rezension zu "Der Schimmelreiter" folgt!