Am
Roman "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll, einer der vier Deutschen, die den Literaturnobelpreis für unser Land gewinnen konnten, werden
vor allem diejenigen Freude finden, die der katholischen Kirche und der ihr am
nächsten stehenden Partei -nämlich der CDU- kritisch zugetan sind. Doch auch
für alle anderen Leser sollte dieser ergreifende Roman, der von einer tiefen
Melancholie aber auch einer hohen Intelligenz und Menschenkenntnis des
Protagonisten Hans Schnier durchzogen und geprägt wird, sich als lesenswert und
ergiebig erweisen. Er schafft es nämlich, die tief gespaltene Gesellschaft und
die schwerwiegende Diskrepanz zwischen Kirche und Individuum, die nach dem
zweiten Weltkrieg in unserer Republik vorhanden waren, einfühlsam und
authentisch wiederzuspiegeln. Der Inhalt beschränkt sich dabei lediglich auf
einige Stunden aus dem Leben der Hauptperson, des Clowns Hans Schnier, der sich
selbst fachlich korrekt als "Komiker. Keiner Kirche steuerpflichtig"
bezeichnet. In dieser Beschreibung weist Böll, der durch den Protagonisten in
der Ich-Perspektive erzählt, auf das zentrale Thema dieses Werkes hin. Der
Konflikt zwischen der gegenseitigen Liebe eines Atheisten und einer Katholikin
und dem strengen Familienbild ihrer zugehörigen Kirche. Fernerhin vergleicht
Schnier, der Clown, die damalige Zeit mit dem Mittelalter und gewinnt die
traurige Erkenntnis, dass die Liebe im dunklen Mittelalter einfacher und
tolerierbarer für die katholische Kirche gewesen wäre als in der Gegenwart. Von
seinem Verhältnis, welches sich in Folge dieses Konfliktes auflöst, spricht
Schnier häufig als Konkubinat, dieser Ausdruck wird im Duden als eheähnliche
Gemeinschaft beschrieben und diese Lebensform wurde scheinbar im Mittelalter
akzeptiert. Sie findet jedoch in der Nachkriegszeit keine wirkliche Duldung
durch die rigide, laut Schnier bigotte Kirche. Der Ich-Erzähler ist im Romane
neben zahlreichen Anekdoten aus seinem Leben und Erfahrungen mit der
Gesellschaft und der Kirche damit beschäftigt, all seine Bekannten zu kontaktieren.
Dies tut er primär über den telephonischen Weg. Die Resonanz fällt dabei sehr
unterschiedlich aus und jeder Anruf ist eine in sich geschlossene kleine
Geschichte aus seinem Leben. So telefoniert er an einer Stelle mit einer
Bekannten, die in einer Telefonzelle von einem fremden Mann bedrängt wird und
daraufhin von dannen zieht, ohne dabei das Telefon einzuhängen. Schnier erkennt
dies und schreit ins Telefon, sodass sich der Fremde meldet, es folgt ein
bedeutender, sehr amüsant zu lesender Dialog. Schnier fragt zunächst "Sind
sie Deutscher?" und gibt an, nur mit Deutschen zu reden. In der heutigen
Zeit würde man solch einen Menschen fraglos als Rassisten bezeichnen können,
doch der Mann antwortet mit "Das ist ein guter Grundsatz" und
spiegelt so die damals immer noch stark nationalsozialistisch geprägte
Gesellschaft wieder. Schnier setzt allerdings noch einen drauf und gibt an,
sich Sorgen über die CDU zu machen, er fragt also "Wählen sie auch fleißig
CDU?". Der fremde Mann bejaht dies und klingt dabei geradezu beleidigt.
Die
Sprache in "Ansichten eines Clowns" ist sehr gut verständlich. Die
Personen und Charaktere werden gut beschrieben und sind alle nachvollziehbar,
was ihr Verhalten und ihre Werte betrifft.
Der
Roman hat auch heute noch durchaus eine Prägnanz, vor allem im Hinblick auf all
die ethischen Fragen, die sehr kontrovers und auf mancher, beispielsweise
kirchlicher Seite sehr voreingenommen diskutiert werden. Auch heute hat die
katholische Kirche großen Einfluss auf die Menschen und ihre Lebensformen, zwar
wurde die in Bölls Roman kritisierte Vorhölle für ungetaufte Babys, die
unmittelbar nach der Geburt sterben, von der Kirche abgeschafft, doch gibt es
immer noch etliche Missstände, die es anzusprechen gilt.
Ich
persönlich konnte dem Roman viel Positives abgewinnen, mit einem Großteil der
Kritik konnte ich übereinstimmen und geriet bei manchen Stellen geradezu in
Verzück und konnte mir einen Lacher nicht verkneifen. Auch hat mich das Werk in
meiner Haltung gegenüber der Kirche und Religion im Allgemeinen bekräftigt. Mein
Fazit fällt daher durchweg positiv aus. Es handelt sich bei Bölls Roman um ein
sehr gelungenes Werk mit klarer Botschaft und ergiebigem Inhalt, das sich zu
lesen lohnt. Ich kann es jedem ans Herzen legen, die Lektüre dieses Romans aufzunehmen.
Nachtrag:
Es haben tatsächlich mehr als vier deutsche Literaten den Nobelpreis für Literatur gewinnen können, doch erachte ich Böll gemeinsam mit Mann, Grass und Müller als die doch vier nennenswertesten.
Nachtrag:
Es haben tatsächlich mehr als vier deutsche Literaten den Nobelpreis für Literatur gewinnen können, doch erachte ich Böll gemeinsam mit Mann, Grass und Müller als die doch vier nennenswertesten.
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