Freitag, 21. September 2012

Eine kleine Kurzgeschichte


Noch bin ich nicht ganz zufrieden mit meiner Ausdrucksweise und den Satzverbindungen, aber wie auch bei der Rezension gilt hier, dass ich so etwas zum ersten Mal schreibe. 


Der weiße Tisch


Es begab sich einst, dass ein junger Mann, ein eher durchschnittlicher Mensch, der seine Jugend genoss, in einen ausgesprochen außergewöhnlichen Glücksfall verwickelt wurde. Wie es zu dieser Begebenheit kam, wird im Folgenden erläutert:

Seltener waren die Besuche bei seinen Großeltern geworden, K. hatte seine Mutter jedoch diesmal zu ihrer wöchentlichen Hospitation begleitet. So kam es, dass die Familie einträchtig das Beisammensein genoss, der Onkel war unterdessen auch dazugekommen und dass alles wie gewöhnlich ablief.
Gemeinsam mit seinem Onkel genehmigte sich K. einen kleinen Umtrunk, er gönnte sich einen Cappuccino, den von seinem Onkel angebotenen Muckefuck hatte er verschmäht, denn es hatte sich um ein handelsübliches Produkt gehandelt und K. hatte sich etwas besonderes darunter erhofft. Wie sich die beiden nun friedlich an ihrem Getränk labten, fiel das Gesprächsthema auf das Porzellan, dass sich auf dem Esstisch der kleinen Küche unter dem Dache befand. K. war ein Kenner jeglicher Porzellanfirmen, er befand sie als Repräsentanten hohen deutschen Kulturguts. Wunsiedel, Hutschenreuther, Seltmann, Weiden, Meissener und viele weitere, das war sein Gebiet und für diese Dinge hegte er ein wahres Faible. Im Allgemeinen war K. jemand, der hohen Wert auf kulturelle Güte und Qualität legte, er war stolz auf die zahlreichen deutschen Firmen, die im Ausland ein hohes Ansehen genossen.
K. fragte seinen Onkel in Bezug auf das auf dem Tisch befindliche Porzellan, worin sich die beiden größten Porzellanfirmen, V&B und das Unternehmen mit der Krone im Firmenemblem, eigentlich unterschieden, da er hohen Respekt vor der Meinung des Onkels hatte.
Zunächst beantwortete sich K. die Frage selbst, er mutmaßte, dass V&B eher für Traditionalisten produzierte, wie er nebenbei bemerkt auch einer war, und die andere Firma primär moderne Haushalte mit Servicen und Porzellan versorgte.
Der Onkel konstatierte fernerhin, dass die Firma mit der Krone auch Tische produzierte. K. entgegnete, dass V&B zudem Fliesen für Badezimmer und andere Räumlichkeiten im Sortiment hatte, die Tische hatten sein Interesse geweckt und er ließ sich von seinem Onkel weiteres darüber erläutern. Dieser merkte an: weiße Tische. Weiße Tische würden sie herstellen. Mit einem gewissen Unterton fragte er, ob K., der gebannt den Ausführungen über Porzellan gefolgt hatte, einen solchen Tisch haben wolle. K. bejahte die Frage, natürlich würde er verzückt darüber sein, einen solchen Tisch zu besitzen, nur könne er sich kein so teures Mobiliar leisten...
Der Onkel meinte, wenn es denn kostenlos wäre. Da war K.'s Interesse vollends erweckt, der Onkel begann mit der exakten Deskription dieses Tisches der erwähnten Porzellanfirma. Den Ausführungen nach war er gänzlich weiß und sehr groß, die Maße betrugen akkurat 1,80 m mal 1,20 m. Er war beinahe komplett aus Holz, lediglich eine Marmorplatte war in die Mitte der Tischoberfläche eingearbeitet. Die Tischbeine waren sehr modern gestaltet, sie wurden von zwei geschwungenen Holzleisten gebildet, die jeweils ein U formten. Eines dieser beiden U's trug den Schriftzug der Porzellanfirma. Es musste ein fantastischer Tisch sein.
Nachdem K. seine Bewunderung zu genüge kund getan hatte, erklärte der Onkel, dass er den Tisch bei einem älteren Ehepaar gesehen hatte, dieses Paar wohnte in einer fünfstöckigen Villa, doch wollte nun ausziehen. Die neue Bleibe sollte dabei eine kleine Wohnung bilden, weshalb nun etliche Gegenstände ausgemustert wurden. Der Tisch gehörte auch dazu.
Ob sie ihn sich ansehen sollten, fragte der Onkel darauf, K. willigte sofort ein und schnell war ein Treffen per Telefon vereinbart worden.
Die beiden spazierten gemütlich zu dem ganz in der nähe liegenden Anwesen. Herr Soundso öffnete die Tür, es war ein älterer Herr mit  spärlichem Haarschopf. Er trug ein grünes Polohemd von einer renommierten Modefirma. Dazu passend war das Intérieur dieser Residenz gestaltet. Geschmacksvolle Teppiche, eine edle Glastür, die zum großen Wohnzimmer führte und der Tisch. Der Tisch stand im Arbeitszimmer, zu dem sie Herr Soundso geleitet hatte.
Er war schön, wunderschön. Merveilleux, dachte sich K. Doch der Tisch war auch von einer ausgesprochenen Größe, diese war beträchtlich... Sollte er einen solchen Tisch überhaupt in seinem Zimmer unterbringen können?
Eine Ambivalenz entstand in diesem Moment bei K., auf der einen Seite hatte er sein ganzes Leben davon geträumt, einen stilvollen, großen Schreibtisch zu besitzen. Aber andererseits, was würde seine Familie zu einem solch riesigen, vielleicht gar protzigen Möbelstück sagen?
Die Zeit, zu welcher K. Bekanntschaft von diesem Tische gemacht hatte, war durchaus eine Zeit der Krisis. Die Wirtschaft im Lande, in ganz Europa war marode. In solchen Zeiten tritt ein besonderes Phänomen auf. Die Menschen von der Krise geängstigt, trinken ihren Grog nicht mehr im Gasthaus, sondern zuhause. So kommt es, dass allgemein mehr Wert auf Konsumgüter gelegt wird, die beständig sind, dazu können Kutschen, Betten, Arbeiten im Garten gehören und auch Tische. Der Mensch zieht sich zurück, er bildet einen Kokon.
Herr Soundso fragte, ob K. den Tisch haben wolle, dieser sagte nach einer Weile intensiven Nachdenkens und in einem Zustand innerer Zerrissenheit zu.
Der Tisch sollte nicht das einzige Geschenk bleiben, K. bekam von diesem freundlichen, offenkundig sehr vermögenden Herrn noch eine edle braune Ledertragetasche geschenkt. K. war selig, eine Freude machte sich in ihm breit, als sie das Haus wieder verließen, eine große Freude, aber auch eine innere Beunruhigung. K. war nämlich von bescheidener, ruhiger und introvertierter Natur. Hatte er sich diese Dinge überhaupt verdient? Er wusste diese Frage nicht zu beantworten. Was hatte er denn überhaupt dafür getan, dass ihm solch edle, teure Geschenke zuteil wurden? Er war einfach nett und freundlich, wenn auch nicht allzu aufgeschlossen. Doch war das genug? Nett sein, reicht das Leben? Ein Heiratsschwindler ist auch nett, sonst könnte er sein böses Vorhaben nicht umsetzen.
K. plagten Gewissensbisse. Als seine Mutter und er wieder heimgekehrt waren, konnte K. abends nicht einschlafen. Er war unruhig und aufgedreht. Sollte er diesen Tisch überhaupt bekommen? Noch hatte Herr Soundso ihnen keine endgültige Zusage erteilt. In seinen Gedanke malte sich K. aus, wie er an diesem Tische sitzen würde, nichts außer seiner Schreibmaschine und einem Notizblock würde er darauf legen.
K. schrieb nämlich, er war kein Lyriker, nein, beileibe nicht, aber er sah sich als Literat, ohne die Bedeutung dieses Wortes zu kennen, wie sie laut Duden per definitio vorgegeben sein mochte.
Er las große literarische Werke und schrieb von diesen inspiriert über alles was ihn beschäftigte, so belanglos es auch allgemein wirken mochte. Nach einer Ewigkeit hatte der Schlaf ihn erreicht, er sank in unruhige, düstere Träume...

Am nächsten Tag erhielt er Rückmeldung von seinem Onkel, dass er den Tisch haben könne. K. war selig, er freute sich nun darauf, den Tisch in seinem Zimmer zu haben. Es war nur ein Tisch, aber auch kleine, vermeintlich unwichtige Dinge können bedeutsam sein.

K. hatte einmal beobachtet, wie eine Dame, mittleren Alters, auf dem Fahrrad fuhr und dabei einen wundervollen großen Blumenstrauß verlor. K. hob diesen zügig auf und rief, doch sie hörte ihn nicht, es war an diesem Tage sehr viel los. Sie entfernte sich recht schnell, sie fuhr schließlich auf dem Fahrrad.
Also rannte K. ihr hinterher, er war ein Sportler, er rannte bis er sie eingeholt hatte und sie ihn endlich bemerkte. Sie war überrascht und zuhöchst erfreut. Zum Dank schenkte sie ihm eine Rose, die der Blumenstand ihr zusätzlich zum Strauß überreicht hatte. Gute Menschen verdienen sich gute Dinge. Es sind die kleinen Taten des Alltages die uns zu Helden machen.
Dies war die Geschichte von einem erstaunlichen Glücksfall, der nur durch eine Koinzidenz zustande gekommen war. Ob das ganze sich wirklich ereignet hat, steht in der Luft wie so viele Dinge und ist dem Erzähler nicht bekannt.

Ende

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